Dramolett: Im Männerwohnheim

(Männerwohnheim. Männer. Einer von ihnen Wilfried Wieck.)

Antonio Fian | Kultur | aus FALTER 25/99 vom 23.06.1999

Wilfried Wieck: Männer haben viele Bedürfnisse. Diese werden manchmal an die Partnerin gerichtet und zum Teil sogar befriedigt. Einen anderen Teil der Bedürfnisse der Männer können oder wollen die Frauen nicht befriedigen. Einen großen Teil der männlichen Bedürfnisse versuchen Frauen zu befriedigen, obwohl Männer nicht darüber sprechen. Deshalb befriedigen Frauen Bedürfnisse, von denen sie nur glauben, daß sie die männlichen sind. Wenn die Frau spürt, daß der Mann Bedürfnisse hat, die nicht den ihren entsprechen, die sie nicht befriedigen will, wartet sie sprachlos ab und geht nicht auf seine Bedürfnisse ein. Die Frage: "Welche Bedürfnisse werden in deiner Beziehung befriedigt?" ist keine leichte. Ein Mann, der jeden Tag mit seiner Frau zusammen ist, kann bestimmte Bedürfnisse nicht spüren, weil er nämlich sehr deutlich spürt, welche Bedürfnisse die Frau zu befriedigen bereit ist und welche nicht. Frauen sind nicht immer sehr freigiebig im Befriedigen männlicher Bedürfnisse. Deshalb erwarten Männer häufig sehr lange die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse, aber die Frauen hatten niemals wirklich die Absicht, diese zu befriedigen. Zu Konflikten kommt es, wenn ein Mann beginnt, seine tatsächlichen Bedürfnisse an die Frau heranzutragen. Die Frau wird unzufrieden reagieren, weil sie nicht bereit ist, diese zu befriedigen. Seine Bedürfnisse wahrzunehmen, zu äußern und dann auch ihre Befriedigung zu erreichen, erfordert eine ungeheure Wachheit vom Mann. Die Wahrnehmung, Äußerung und Durchsetzung der Befriedigung der Bedürfnisse erfordert eine ungeheure Kraft. Eine weitere Möglichkeit ist die Frage: "Wann im Leben haben wir bestimmte Bedürfnisse gespürt? Sind sie befriedigt worden?" Dann werden wir auch begreifen lernen, wieso wir diese haben und ob wir ein Recht darauf haben, daß sie befriedigt werden.

(Wieck ab. Vorhang.)

Material: "täglich Alles", 2.6.99: "Wie Männer lernen, ihre Bedürfnisse in Beziehungen zu äußern" ((c) Wilfried Wieck, Kreuz Verlag), gekürzt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige