Gorbi vergessen?

Kommentar: Bei den Rückblicken auf die Wende von 1989 werden gerne zwei Faktoren übersehen: Gorbatschow und das Volk.

Vorwort | Raimund Löw | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Die Zeitenwende des Jahres 1989 hat viele Väter. Bei dem vom Institut für die Wissenschaft vom Menschen am vergangenen Wochenende in Wien organisierten Meinungsaustausch der Revolutionsveteranen erwähnte man die Menschenrechtspolitik Jimmy Carters und den Aufrüstungskurs Ronald Reagans, die systemsprengende Botschaft des Papstes und die befreiende Wirkung der neuen Informationstechnologien.

All diese Umstände haben die Krise des sowjetischen Systems zweifelsohne beschleunigt und vertieft. Aber die beiden letztlich entscheidenden Faktoren wurden beim Bilanzziehen über das vergangene Jahrzehnt - nicht nur bei der Konferenz in Wien - gerne übersehen: die persönliche Rolle Michail Gorbatschows, ohne den der demokratisch-friedliche Zerfallsprozeß des sowjetischen Imperiums in dieser Form nie möglich geworden wäre, sowie die demokratischen Volksbewegungen, die, ausgehend von Vilnius, über Riga, Tallin und Tiflis schließlich auch Moskau und Leningrad erfaßt haben.

Besonders Michail


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