Die Armutschkerln

Kommentar: Eine neue Studie des Sozialministeriums gibt nicht nur über Armut in der Bevölkerung Aufschluß. Sie ist auch ein Armutszeugnis für die Sozialpolitik der SPÖ.

Vorwort | Gerald John | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Der Umgang von Politikern mit Studien entspricht oft dem von Betrunkenen mit Straßenlaternen: Sie halten sich daran fest, suchen aber nicht das Licht. Derzeit ist Sozialministerin Lore Hostasch heftig am Klammern. Objekt der Umarmung ist eine vom Sozialministerium in Auftrag gegebene Studie über "neue Strategien gegen die Armut". Laut dieser Expertise verfügen 420.000 Menschen in Österreich über ein Einkommen, das unter 7500 Schilling netto pro Monat liegt, und gelten damit als "arm". Schlecht für die Betroffenen. Gut für die Ministerin, die im Wahlkampf ihr politisches Profil schärfen kann. Gestützt auf ihre Experten schlug Hostasch eine "Mindesthilfe bei Bedarf" für Menschen vor, die durchs soziale Netz rutschen. In dieser vagen Ankündigung erschöpft sich das visionäre Konzept aber auch schon: Über den Umfang dieser "Grundsicherung light" konnte die Sozialministerin ebensowenig Auskunft geben wie über die Frage der Finanzierung.

Hostasch legt damit ihr persönliches Armutszeugnis


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