Standpunkt: Alles Leben

Politik | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Renate Brauner sah aus wie Tina Turner in Mad Max. Dafür sagte sie vernünftige Dinge. Sie sprach von Toleranz, von Offenheit, von Gleichheit. Und zu guter Letzt schmetterte sie das Bekenntnis zur rechtlichen Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Menschen ins Publikum - obwohl sich der Life Ball eigentlich "nur" als Aids-Fundraising- und Bewußtseinsmaschine sieht. Aber Aids und "soziales Aids" haben eben viel mit Ausgrenzung zu tun. Und die beginnt dort, wo Unterschiede zu Diskriminierung werden. Minuten nach Brauner proklamierte Viktor Klima im Prinzip dasselbe, bloß etwas weniger deutlich ausformuliert, vom Laufsteg der Hofburg. Super: Geld für die Aids-Hilfen plus Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - postuliert ausgerechnet in jener Hofburg, die sich nie wirklich einen Namen als Hort von Liberalität und Freigeistigkeit gemacht hat. Bloß: Was Kanzler und Integrationsstadträtin am Life Ball vor einem Auditorium an ohnehin schon längst Bekehrten von sich gaben, findet außerhalb der dicken Mauern der Hofburg, abseits des "Heute ist alles möglich"-Partygetöses nicht immer und nicht allzuoft Gehör. Es ist aber, immerhin, ein Anfang. Fehlt nur noch eines: Den Life Ball aus der Burg in die Stadt - und dann ins ganze Land zu transferieren. Nicht nur weil er so bunt und lustig ist. T. R.


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