Bedient: Ersatzdokument

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Vergangene Woche berichteten wir über die Flüchtlingskinder Mirjete (12), Arijete (13) und Saide (16). Sie sind vor den Serben nach Albanien geflohen, ihre Papiere wurden an der Grenze verbrannt. Die Fremdenpolizei gewährte ihnen ein Visum, damit sie zu ihren Eltern nach Wien flüchten können. Der Haken dabei: Die Kinder durften, da sie keine Pässe haben, nicht nach Österreich einreisen. Die österreichische Botschaft erklärte sich für unzuständig, Ersatzdokumente auszustellen. Jetzt wissen wir, warum: Es ist niemand zuständig. Das Innenministerium hat den Fall zwar dem zuständigen Sektionschef Manfred Matzka vorgelegt, der sich "der Sache annehmen wird". Gleichzeitig verweist man aber auf die Kompetenz des Außenministeriums. Schließlich sei die Botschaft eine "auswärtige Angelegenheit". Im Außenministerium fühlt man sich unzuständig und verweist auf das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR). Dort waren die Kinder auch: Die UNHCR- Mitarbeiter haben - wegen völliger Überlastung - die Kinder zur österreichischen Botschaft geschickt: "Da Österreich die Einreise gestattet, soll es doch auch gleich die notwendigen Dokumente ausstellen." Eigentlich logisch. Das macht aber nur die österreichische Botschaft in Mazedonien für jene 5000 Flüchtlinge, die das Innenministerium mediengerecht von Mazedonien nach Wien einfliegen ließ. Leider saßen die Kinder aber in Albanien. Dort gibt es zwar ein schönes Österreich-Camp, aber leider keine Papiere. "Es fehlt der politische Wille", sagt eine UNHCR-Sprecherin. Die Kinder sind mittlerweile ohne Eltern in den Kosovo zurückgekehrt. Österreichs Bürokratie kann aufatmen.

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