Kommentar: Großer Preis, geringe Kosten

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Der ein oder andere Literaturkiebitz hätte sich vielleicht gefreut, ansonsten ist allen Betroffenen einiges erspart geblieben. Jörg Haider war - im Unterschied zu seinem Vorgänger - bei der Eröffnung des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs anwesend, ohne allerdings das Wort zu ergreifen, und blieb der Preisverleihung überhaupt fern, überreichte also auch den Preis des Landes Kärnten nicht. Der Jury blieb auf diese Weise die Verlesung eines Kommuniques und die Anerkennung Jörg Haiders "als siebzehnten Autor" (Jurysprecher Robert Schindel) erspart, was ihr herzlich recht war. Und auch Stefan Beuse wird nicht allzu traurig darüber gewesen sein, daß er den 120.000-Schilling-Scheck aus anderen als landeshauptmännlichen Händen entgegennehmen konnte.

"Die Literatur" blieb also von oberflächlicher und letztlich unfruchtbarer Politisierung verschont. Daß sie damit schon gewonnen hätte, wie harmoniefreudige Menschen vom Bachmann-Preis gerne behaupten, ist freilich noch nicht ausgemacht.


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