Hermetik gegen Humor

Literatur Beim letzten Bachmann-Wettbewerb dieses Jahrtausends setzte sich das konsequente ästhetische Kalkül gegen erzählerische Biederkeit durch.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Wer glaubt, daß es beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb bloß um Literatur geht, ist doof. Wer mit diesem Hinweis den großen Entlarver-Bonus einstreifen will, ist auch doof. Unschöne Eigenschaften wie Geltungssucht, Größenwahn und Geldgier durchziehen den Literaturbetrieb ebenso wie die Theater- oder Motorbootbranche. Ja, auch Juroren und Literaturkritiker sind eitel. Die Auffassung, daß die wahre Kritik völlig transparent bleibt, gleichsam die Literatur beleuchtet, ohne selbst sichtbar zu werden, ist dennoch falsch.

Wenn Silvia Bovenschen den mittelalterliche und televisionäre Bilderwelten fusionierenden Text von Patricia Görg ("Glücksspagat" wurde mit dem erstmals vergebenen Stipendium des Generalsponsors Telekom in der Höhe von 50.000 Schilling bedacht) dafür lobte, daß er "bilderreich über Bilder" spricht, dann gilt für Literaturkritik im Grunde dasselbe. Auch sie spricht metaphorisch über Metaphern, setzt Sprache auf Sprache und landet beim Sprechen über den Gegenstand


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