Einübung zur Widerrede

Literatur: Ein neuer Band der Gesamtausgabe von Ernst Jandls Werken zeigt nicht nur, wie der Dichter seine Gedichte theoretisch verankerte, sondern auch, wie ihm die Theorie allmählich ausging.

Kultur | Helmut Gollner | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Ernst Jandl ist ein österreichisches Rezeptionswunder. Welcher österreichische Autor von Bedeutung wird hier schon von allen geliebt? Von den Kindern (ottos mops), den Lehrern (ottos mops), dem Lesevolk (das zu seinen Auftritten strömt), dem Staat (der ihn mit allen seinen Preisen bedachte) und den Dichterkollegen (die die Kollegenbeschimpfung zu einer spezifisch österreichischen Literaturgattung gezüchtet haben und Jandl davon ausnehmen, obwohl er Erfolg hat).

Sieht man einmal davon ab, daß in Österreich Selbstverletzungsfreuden ein wichtiger Quell von Liebe sind, so spielt für Jandls Rezeptionserfolg sicher eine Rolle, daß er in seinem Avantgardismus poetologisch nie so strammstand wie viele seiner Kollegen aus der konkreten Poesie, sondern das Experiment immer zu einem sinnlichen, später zunehmend zu einem existentiellen Erlebnis gestaltete.

Der Band, der jetzt als elfter zu den zehn Luchterhand-Jandl-Bänden hinzugekommen ist, zeigt nicht nur, wie Jandl seine Gedichte theoretisch


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