Nüchtern betrachtet: Kärnten führt etwas im Schilde

Kultur | aus FALTER 26/99 vom 30.06.1999

Sie führen etwas im Schilde. Sie wollen mich einlullen - mit den üblichen Techniken. Prächtiges Wetter, prima Landschaft. Ich komme nach Klagenfurt, schon heißt es: Den Himmel frei, die Sonne hoch. Eigentlich mag ich das ja gar nicht so wahnsinnig, aber natürlich vermutet man da unten, daß ich dem üblichen melanomfreundlichen meteorologischen Mainstream anhänge. Nein, ganz plump darf man mir nicht kommen. In die Maria-Loretto-Falle tappe ich nicht! Bin ich blöd und gehe dort essen?! Sollen sich doch die anderen ausnehmen lassen und sich am nächsten Tag bei mir ausweinen, daß sie schlecht gegessen haben und fürs Fischlein auch noch 100 Mark hinblättern haben müssen. Nie würde ich mich bei mir ausweinen, weil ich 100 Mark für irgendeinen vergammelten Wels gelöhnt habe. Erstens rechne ich nicht in Mark, sondern in Euro, und zweitens bin ich Fischallergiker. Da, schon lauert Jörg Haider persönlich beim Bachmann-Buffet! Ich aber gebe mich einfach nicht zu erkennen und trinke eine Unzahl beinharter Protestbiere. Haider ist fix und fertig und zieht mit versteinerter Miene ab.

Auch die folgenden Tage bescheren mir eine Reihe ungeahnter Triumphe. Bei H&M kaufe ich mir eine dufte Hose um öS 198,-! Ich finde einen suprigen Italiener mit einem saublöden Namen und speise unbehelligt irgendwelche spindelig gewundenen Nudeln mit einem sehr schmackhaften Sugo, das nach einem italienischen Tenor benannt wurde!! Ich entdeckte ein grandioses Hausschuhgeschäft mit einer breitgefächerten Palette an hochgeschlossenen karierten Filzpuschen!!! Ich reise ab. Diesmal scheint es wirklich ein längerfristiges Projekt zu sein. Sie wollen mich einlullen.


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