Letzter Blick zurück

Flüchtlinge: Die Vertriebenen aus dem Kosovo kehren zurück. In Mazedonien leeren sich die Flüchtlingslager. Übrig bleiben die Mittellosen, Alten und Kranken. Dazu gesellen sich Neuankömmlinge: Serben und Roma aus dem Kosovo.

Politik | Patrik Volf / Skopje, Mazedonien | aus FALTER 27/99 vom 07.07.1999

Der Mann hat es eilig. Den großen Reisekoffer hat er schon zu weit geschleppt. Er will ihn nicht mehr tragen und schleift ihn hinter sich her, die Landstraße hinunter, Serpentine für Serpentine. Vorbei an Dutzenden Sattelschleppern mit ihren Echo-, UNHCR-, CARE- und Caritas-Aufklebern. Vorbei an tonnenschweren Tiefladern mit Camouflage-Bemalung und den breiten Jeeps der Nato-Truppen. Vorbei an den mit Flüchtlingen vollgepackten Transportern, Kleinlastern, Zastavas, Skodas und Yugos auf ihrem Weg in den Kosovo. Vorbei an den Roma-Kindern, die gegen ein paar Dinar das schwere Gepäck der Flüchtlinge in ihren rostigen Schubkarren vom Taxiparkplatz zur Grenzlinie karren. Ein Weg, den der Mann mit dem Koffer bereits vor Tagen hinter sich gebracht hatte und den er kein zweites Mal gehen würde. "Nichts. Im Kosovo ist nichts mehr. Ich gehe in die Schweiz. Zu meinen Verwandten." Nicht einmal einen Blick zurück will er riskieren. Dort würde er noch Hunderte sehen, die wie er auf ihre Einreise


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