Blut, Schweiß und Scheiße

Kulturgeschichte: Der deutsche Literaturwissenschaftler Winfried Menninghaus hat eine umfassende Studie vorgelegt, die sich einem der stärksten unserer Gefühle widmet: dem Ekel.

Kultur | Konrad Paul Liessmann | aus FALTER 27/99 vom 07.07.1999

Ekel, daran kann kein Zweifel bestehen, ist einer der stärksten Affekte überhaupt. Es handelt sich dabei weder um ein ausschließlich moralisches Gefühl noch um eine rein ästhetische Abwehrreaktion, sondern um eine Konvulsion des Körpers selbst, der sein Urteil spricht: Wer sich vor etwas ekelt, dem dreht sich buchstäblich der Magen um. Gleichzeitig unterliegt kein starkes Gefühl einer solchen ambivalenten Bewertung wie der Ekel. Einerseits gelten Ekelschranken als Relikte einer repressiven Gesellschaft, gelten Ekelreaktion vor Alten, Kranken, Behinderten und Schmutzigen als politisch äußerst inkorrekt. Andererseits gehört es zumindest in den jugendlichen Konsumkulturen zum guten Ton, sich zu ekeln, wenn jemand die falschen Turnschuhe trägt. Und in der Kunst ist die Arbeit mit dem "Abjekten", dem Widerwärtigen und Ekelhaften, ohnehin der letzte Schrei.

Im Gegensatz zu den Verwandten und Gegenspielern des Ekels auf dem Felde der Empfindungen - wie Angst oder Haß, Begierde und


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