"der sozialismus ist da!"

Literatur: Noch 1989 nahm der Schriftsteller Ronald M. Schernikau die DDR-Staatsbürgerschaft an. Acht Jahre nach seinem Tod versucht ein kleiner Dresdner Verlag nun, Schernikaus literarisches Vermächtnis, die 700 Seiten schwere "legende", auf den Markt zu bringen.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/99 vom 07.07.1999

1. irgendwer hat den leuten eingeredet, wir alle müssen sterben. das ist natürlich völliger humbug.

2. keiner stirbt, wenn er nicht will, und jeder lebt, solange er weitermacht. das problem ist: die leute machen nicht.

Ronald M. Schernikau: "legende" Der eine weiß das eine und der andere das andere. Ich bin Ronald M. Schernikau, ich komme aus Westberlin, ich bin seit 1. September 1989 DDR-Bürger, ich habe drei Bücher veröffentlicht, und ich bin Kommunist."

Mit diesen Worten begann der Genannte seine Rede auf dem Kongreß der Schriftsteller der DDR im März 1990, dem letzten seiner Art. Und nachdem der damals noch nicht dreißigjährige Schernikau die Genossen eindringlich auf die Leistungen des im Stadium der Selbstabschaffung befindlichen sozialistischen Staates aufmerksam gemacht ("Die BRD hat in ihren vierzig Jahren keinen einzigen Blankvers hervorgebracht") und sie für ihre Passivität gescholten hatte ("Was mich verblüfft, ist die vollkommene Wehrlosigkeit, mit der dem


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