Weltmeister im Kopulieren

Krimis: Von mordenden Tierschützern, verheirateten Detektiven, peinlichen Vätern oder umarmten Leichen ... Und davon, wie dem Rezensenten die Nachbarin zur Hilfe kommt.

Kultur | Christoph Braendle | aus FALTER 27/99 vom 07.07.1999

Man hat mich in die Wüste geschickt, in die ägyptische, und auf den Rücken eines Kamels gesetzt, was für die Seele großartig und für den Arsch ganz gräßlich ist. Dem Haufen, dem Berg, dem Büchergebirge in meiner Wohnung konnte ich dank der sturen Reisegepäckbeschränkung entrinnen. Fast jedenfalls; und apropos gräßlich: Von einem Buch ist, wenn Ihnen an Literatur liegt, abzuraten. Allerdings sagt man, die Literatur von heute seien Rezepte, die Kranke schreiben, wogegen Howard Simon Arzt ist. Und die "Längste Stunde" ist ein Arztroman um den besten Notfallchirurgen aller Zeiten, der auch in der Forschung wirkt - Stichwort: Tierversuch; Auftritt: die bösen Tierschützer, die Ärzte am Laufband meucheln. Schon ist das Buch ein Kriminalroman.

Wenn man es trotzdem bis zum Ende liest, dann liegt es daran, daß der Autor Notfallarzt ist und, wenn es um bluttrunkene Chirurgie geht, weiß, wovon er schreibt. Jedenfalls erspart er damit dem Leser das Schicksal seines eigenen Romanchefarzts:


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