Stadtrand: Endlich allein

Stadtleben | aus FALTER 27/99 vom 07.07.1999

Ein Pflichttermin zum Ferienbeginn ist doch immer wieder die "Zeit im Bild". Diese herrlichen Autokolonnen! Diese wunderbaren Blechschlangen! Wie sie alle stehen, schwitzen und leiden! Ein Genuß! Vor allem für jene, die ein wenig weiter denken: Wo kommen all die Autofahrer her, die sich am Wochenende auf der Süd vor Gleisdorf getroffen haben? Aus Wien. (Okay, nicht alle, aber immerhin.) Und das bedeutet wiederum: Die Stadt hat wieder auf die sommerliche Notbesetzung umgestellt.

Und das bedeutet für alle treuen Seelen, die ihre Heimatstadt nicht gleich wegen jedes Sonnenstrahls schnöde verlassen: Parkplätze in Gehdistanz! Freie Tische bei Bortolotti! Weniger Halbwüchsige bei H&M! Keine Schulklassen in U-Bahnen! Länger offene Fenster, weil weniger Verkehr. Zu Mittag weniger Wartezeit bei McDonald's. In der Straßenbahn ist genug Platz, um dem Deo-Verweigerer weiträumig auszuweichen. Und sonntags kann man sich sogar noch am Nachmittag seine "Krone" ... kaufen.

Wer sagt eigentlich, daß Wien wirklich volle 1,8 Millionen Einwohner braucht?

Sollen die anderen nur schön wegfahren - wahre Wien-Kenner erkennt man daran, daß sie just die Sommermonate in der Stadt verbringen. S. N.


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