Heimweh & Hotzenwald

Literatur: Rechtzeitig zur Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis erscheint Arnold Stadlers jüngster Roman. Ein hinreißender Schrotthändler".


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 28/99 vom 14.07.1999

Wenn jemand aus Kreenheinstetten stammt, aber in einem Haus in Köln wohnt, das von einer Innenarchitektin namens Gabi Stauch-Stottele eingerichtet wurde, dann stimmt was nicht. Es stimmt so einiges nicht im Leben des 42jährigen Ich-Erzählers, eines frühpensionierten Gymnasiallehrers, der seit 20 Jahren verheiratet ist. Und daß "eines Morgens Anfang Mai" Adrian, ein junger Gelegenheitsschrotthändler in Adidas-Hosen, vor der Tür steht, der im Verlauf des Romans vom ehewunden Ehepaar adoptiert werden wird, um es finanziell auf unfeine Weise zu erleichtern und mit der Gattin durchzubrennen, ist wohl so etwas wie höhere Notwendigkeit in Gestalt des Zufalls. Auch darf man getrost verraten, wie Arnold Stadlers jüngster Roman "ausgeht", weil damit ja noch nichts verraten ist.

Adrian repräsentiert jene saft- und kraftvolle Körperlichkeit, von der sich die Protagonisten zusehends entfernen. Dennoch bleibt dieser kontrastieve Knackarsch eine periphere Figur, gibt Anlaß zu einem hübschen

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