Mit und ohne Gorgonzola

Literatur: In "Geschichten von Heimatlosen" erzählt Michael Köhlmeier vom Erzählen. Es hilft.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 28/99 vom 14.07.1999

Gerade noch rechtzeitig für die Urlaubssaison hat Österreichs produktivste Literatur-Manufaktur, der Hohenemser Ein-Mann-Betrieb Michael Köhlmeier, sein jüngstes Produkt auf den Markt gebracht. "Der traurige Blick in die Weite" ist eine Sammlung von Geschichten und Gschichtln, die trotz des sich programmatisch gerierenden Titels wenig gemeinsam haben, außer das eine - sie sind, wenn man dem wiederkehrenden Schlußwort glauben darf, "so oder so ähnlich" erzählt, also mündlich überliefert worden.

Als Schriftsteller (und wohl auch als Leser) bevorzugt Köhlmeier solide Hausmannskost, hat die konkurrierende Küche der asketischen Avantgarde wiederholt wegen ihrer faden Fleischlosigkeit gerügt. So ist es auch kein Wunder, daß wir sein jüngstes Opus über die Küche betreten und auch wieder verlassen. Dort stehen Mutter und Großmutter, kochen singend Fünf-Minuten-Eier (macht fünfmal eine Strophe von "Oh Haupt voll Blut und Wunden") oder führen Grundsatzdebatten über die Zubereitung


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