Standpunkt: Bildhaft

Politik | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Der Fall ist kompliziert. Hubertus Czernin hat ihn im Standard aufgerollt: Adele Bloch-Bauer vererbt 1925 ihrem Mann Ferdinand fünf Klimt-Gemälde mit der Bitte, sie nach dessen (Ferdinands) Tod der Österreichischen Galerie zu überlassen. Ferdinand nimmt das Erbe an, betont gleichzeitig, daß die Bilder ihm gehören. Adele stirbt 1926. Ferdinand flüchtet 1938 vor den Nazis. Die Bilder werden ihm von den Nazis geraubt, in der Österreichischen Galerie ausgestellt und niemals zurückgestellt. Nach dem Krieg werden die Gemälde entgegen der testamentarischen Bitte Adeles vom vertriebenen Ferdinand nicht der Staatsgalerie vererbt. Warum auch? Es vergehen Jahrzehnte. Ministerin Gehrer verspricht 1998, endlich Klarheit über die Raubkunst zu schaffen. Ein Restitutionsgesetz wird erlassen. Es meldet sich eine Erbin (sie war selbst vor den Nazis geflüchtet) und will die milliardenschweren Bilder zurück. So war es auch wieder nicht gemeint: Ein Beirat kommt zu dem merkwürdigen Schluß, daß die Bilder der Galerie von Adele Bloch-Bauer direkt vermacht wurden. Österreich bleibt unredlicher Besitzer. Die Rückgabe geraubten Gutes ist noch immer Gnadenakt, nicht Rechtspflicht. Die Sache wird in die Länge gezogen, die Erbin vom Entschluß nicht direkt informiert. Ein bildhafter Fall. F.K.


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