Demonstrieren ohne Marschieren: online Demonstrieren Ein neuer Dienst bietet maßgeschneiderte Protestbanner mit dazugehörigen Trägern, die sich vor dem Weißen Haus positionieren.

Medien | Hannes Stieger | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Demonstrationen, sofern sie nicht ins Netzwerk öffentlicher oder sonstiger greifbarer Fortbewegungsmittel eingebunden sind, sind den politisch Aktiven meist verwehrt. Wie wär's also mit Demonstrieren vom Sofa aus? Genau diese Überlegung ging dem amerikanischen Internet-Unternehmer Jim Rost kürzlich durch den Kopf - und er hat sie gleich in ein Geschäft verwandelt.

Via whitehouseprotests.com bietet er an, professionell gestaltete Protestbanner samt dazugehörigen Trägern vor dem Weißen Haus aufmarschieren zu lassen. "Die Idee dazu kam mir, als ich mit einem Gentleman sprach, der extra aus Kalifornien nach Washington flog, um mit einem eher müden Banner vor dem Weißen Haus zu stehen", legt Jim Rost dem Falter die Anfänge dar.

Ein drei mal ein Meter großer Banner mit einer 20-Buchstaben-Botschaft ist um umgerechnet 2000 Schilling für eine Stunde zu haben. Inkludiert sind die Träger, die sich mit dem Banner vor dem Weißen Haus positionieren. Zum Beweis gibt es ein Foto, das Papierbanner wird per Post als Andenken nach Hause geschickt.

Um die Aufmerksamkeit zu steigern, wird vor dem Weißen Haus höchstens ein Banner gleichzeitig gezeigt - bei Tageslicht, selbstverständlich. Bei der Auswahl der Kunden sei man wählerisch, meint Rost, und behalte sich das Recht vor, Banner mit extremen Botschaften nicht zu produzieren. "Die am häufigsten verlangte politische Botschaft war ,Stop the war in Kosovo'", verrät Jim Rost. Dennoch läuft der Service im Moment eher schleppend, da er bis dato noch keine Marketingmaßnahmen gesetzt hat, um whitehouseprotests.com publik zu machen. Um sein Geschäft anzukurbeln, produziert er nebenbei auch profanere Dinge: Banner für Geburtstage und Hochzeiten nämlich.


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