Das große Runterladen

Musikbusiness: Bands wie Public Enemy nutzen das Musik-Format MP3, um ihre Alben ins Internet zu stellen, wo man sie in kurzer Zeit herunterladen kann. Die Musikindustrie reagiert panisch und versucht, Raubkopien zu verhindern und ihre Einflußsphären zu schützen. Ist MP3 die subversive Technologie des "neuen Punk", ein Werkzeug der Musikpiraten, gar das Ende der CD- oder der Musikindustrie?

Robert Rotifer | Kultur | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Die alte Welt des Musikbusineß ist ein seltsames Zwitterwesen. Einerseits ist sie jener undurchdringliche Moloch allmächtiger Großkonzerne, der alle paar Jahre die Independent-Konkurrenz zum Frühstück verspeist. Andererseits wird sie von einer Unzahl zweifelhafter Zwischenhändler bevölkert, die da und dort Fäden ziehen, mitschneiden und abzocken.

Eine dieser mittelgroßen Nummern ist Pete Lewyckyj, britischer Kontaktmann in Sachen skandinavischer Pop-Exporte und Besitzer einer Produktionsfirma, in der ein paar Kids aus Manchester laufend damit beschäftigt sind, Bubblegum-Popsongs für Teenie-Acts wie Cleopatra zu schreiben. Pete, der gerade aus Nordengland nach London gekommen ist, um ein paar Deals zu fixieren, füllt mit seiner ausladenden Physis spielend den breitesten Fauteuil in der First-Class-Lounge der Euston Station. Den fetten Goldring an seiner rechten Hand ziert ein Playboy-Häschen. Gern gibt Pete nostalgische Anekdoten aus seinen großen Zeiten als Intimus von Abba

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