Leben in der Auslage

KUNST Selbst wenn alle Museen schon geschlossen haben und sich auch die längste Vernissage dem Ende zuneigt, muß auf Kunst nicht ganz verzichtet werden: Mehrere Kunst- Vitrinen in der Stadt bieten Service rund um die Uhr.

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Für ein Geschäft ist das Schaufenster die Schnittstelle nach draußen, der Ort der Kontaktaufnahme. Werden die Waren dort lecker präsentiert, sind sie schon so gut wie verkauft. Selbst nach Ladenschluß hält man die Epiphanie der Dinge noch aufrecht, weil viele Flaneure, die bis in die Nacht noch Windowshoppen, später als Kunden wiederkommen werden. Schaufenster sind mitunter großartige Bühnenbilder, manchmal überbordend, dann wieder karg. Ihre Front zieht unsere Blicke so mächtig an, daß die meisten gar nicht wissen, welche Art von Architektur sich drumherum befindet.

Wie kolossal dieses Blickregime wirkt, wurde früh auch in der Kunst vermerkt. Entsprechend präsentierte Andy Warhol 1961 seine Pop-art-Bilder erstmals in einem Schaufenster inmitten von Kleiderpuppen, und Sigmar Polke, Konrad Lueg und Gerhard Richter realisierten ihre "Demonstration für den kapitalistischen Realismus" 1963 in einem Möbelhaus. In der Folge drehte sich die Logik dann mehrmals um: Während in den


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