Aufbruch nach Ägypten

Literatur: In seinem neuesten Roman, "Der ägyptische Heinrich", reist der Schweizer Markus Werner in die Vergangenheit - und fühlt sich dort fast zu wohl.

Kultur | Stefan Ender | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Es war wohl der kürzeste und ausgewaschenste Jeans-Minirock, den die Welt je gesehen hatte. Sie, die Deutschlehrerin, die ihn trug (spindeldürr, große blaue Augen, vernachlässigte, blondgefärbte Haare), kam frisch von der Uni, rauchte Kette und bombardierte ihre staunenden Zöglinge mit exquisitem Material: Georg Trakl und Franz Kafka, ein bißchen Dadaismus, Fritz Zorn (!) und Thomas Mann, natürlich. Und auch: Markus Werner.

Die Lektüre seiner bisherigen Romane lädt durchaus zur Mutmaßung ein, daß die Deutschlehrerin ihm - Markus Werner - wohl ganz gut gefallen hätte, war sie doch eine angenehm witzige, intelligente und unangepaßte Person. Und nichts geht dem 54jährigen Schweizer Autor mehr gegen den Strich als Angsthasen, stille Erdulder oder Spießer: "Von Generation zu Generation vererbt sich die verheerende Verklemmtheit kaputter Samstagabendvögler und spielt sich dummdreist auf als Leitstern der Erziehung", wetterte er etwa in seinem zweiten Roman "Froschnacht".

Überhaupt


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