Stadtrand: Üben, bitte üben!

Stadtleben | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Okay, an die Teufelsgeiger aus dem Osten, die vorzugsweise in der Nähe von U-Bahn-Stationen auf ihren ungestimmten Instrumenten herumkratzen, haben wir uns inzwischen gewöhnt. Für den Melodika-Spieler am Schwedenplatz, der seine komplette Musikerkarriere lang nicht über die ersten vier Takte von "Somewhere over the Rainbow" hinausgekommen ist, empfinden wir fast schon Mitleid. Und jene zwei Steiner-Schülerinnen, die am Michaelerplatz verzweifelt versuchen, Bachkantaten zu fiedeln, können ja auch nichts dafür, daß ihre Eltern sie zwingen, ein Instrument zu lernen. Aber müssen sich all diese noch schlummernden Talente unbedingt in der Öffentlichkeit zur Schau stellen? Und warum erwarten sie, daß die Passanten ihnen dafür auch noch Geld zustecken? Oder soll das eine Art Bestechung fürs Aufhören sein?

Um die stationären Straßen"musiker" kann man einen Bogen machen. Was aber tun, wenn man im vermeintlich sicheren Schanigarten heimgesucht wird? Von flötenden und zupfenden Blumenkindern, deren Methoden jeder Menschenrechtskonvention spotten? Die, wenn sie zu wenig Ablaßzahlungen bekommen, ganz unfriedlich noch ein Minütchen länger zirpen? Da hilft nur gleiches Recht für alle: Ab morgen wird zurückgesungen. S. N./C. W.


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