Phettbergs Predigtdienst (Nr. 365): Noch existiert das Wort "göttlich"...

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war ... Mt. 13,44-52 (Evangelium am 17. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A)

Stadtleben | aus FALTER 29/99 vom 21.07.1999

Wie es jetzt ausschaut, durchlebte ich gestern, Samstag, 10. Juli 1999, um 9 Uhr im "Zielpunkt"-Supermarkt, Wien 6, Brückengasse 10, meine finale Erniedrigung. Ich schwimme generell in einem Sud von Schweiß, der aus meinem Körper in einem solchen Ausmaß schießt, daß die weitverbreitete Methode derer, die ihren Schweiß mit Lüften der Kleidung in Schach halten, bei mir nichts fruchtet. Da ich nicht schwimmen kann, hilft mir nur die Löschblattmethode: Viel anziehen, selbst im tiefsten Hochsommer, sodaß die vielen, warmen Kleidungsstücke die unteren Schichten, die de facto nässer sind, als sie aus der billigsten Waschmaschine kommen, so warm halten, daß ich mich nicht verkühle.

So also stauten sich in Gott, dem Herrn (GDH), 150 Kilo in 172 Zentimetern beim Zielpunkt und versuchten die Balance, weder im Frost des klatschnassen Leiberls Lungenentzündung zu kriegen noch an der schweißtreibenden Kleidermenge zu kollabieren. Und es war natürlich eine Schlange hinter mir. Vielleicht war das die von Adam und Eva (Gen 3,14ff.): Vor der Schlange bestehen! Doch ich kann das nicht! Und um nur ja nicht Lungenentzündung zu kriegen, trage ich zur Sicherheit einen Walkjanker aus Tirol. Er ist mein ein und mein alles. Und vollständig zerfetzt.

Niemand darf ungestraft in Kleidung gehen, die ihm in Fetzen vom Leib hängt, schon gar nicht ein geschaßter Fernsehstar: Die Schlange haßt mich wie die Pest. Rasend warf ich die Beute ins Wagerl, gab der Dealerin mein ganzes Geld, erhielt ein paar Münzen zurück, steckte sie in den Janker, vergessend, daß seine Taschen zerfetzt sind, und sie fielen zu Boden. Die Schlange noch aufhalten durch Aufklauben wollte ich keinesfalls mehr auf mein Gewissen laden. Schnell schob ich die Münzen mit den Füßen hinter eine Kante. Ein alter Mann holte mich ein, überreichte mir die von ihm aufgelesenen Münzen, mit den Worten: "Do host dei Göd, du Hoinoa" (Da hast du dein Geld, du Halbnarr). So verungültigte mich gestern die Schlange auf ewig für ganz Gumpendorf.


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