Im Kampf um Flexibilität

Debatte: Im "Falter" 25/99 kritisierte der bekannte Theoretiker Richard Sennett die Auswüchse des Casino-Kapitalismus. Doch ist es wirklich die Flexibilität, die das neue Wirtschaften so zerstörerisch macht?

Politik | Bernd Marin | aus FALTER 30/99 vom 28.07.1999

Einer der großen Kulturhistoriker und Soziologen unserer Zeit, Richard Sennett, hat eine harte Kritik der Kultur des neuen Kapitalismus veröffentlicht: Der flexible Mensch seziert illusionslos die angelsächsische Variante von Arbeit und Wirtschaft - und ihre Auswirkungen auf die Menschen. Gerade wer - wie ich - einer Flexibilisierung und Humanisierung der Marktwirtschaften das Wort redet, kommt um eine Prüfung ernst zu nehmender Einwände gegen Flexibilisierung im Namen humaneren und effektiveren Wirtschaftens nicht herum.

Sennett analysiert gegenwärtige Gefahren von Dehumanisierung als Folgen von "Drift" und einem "neuen Regime kurzfristiger Zeit": das Ende der klassischen Berufslaufbahnen und ein Dutzend Jobwechsel im Leben, demoralisierende Auflösung freundschaftlicher und familiärer Bindungen, ja, der "vielleicht unvermeidlichen Zerstörung des Charakters", von Vertrauen, Loyalität, Verbindlichkeit in einer Welt, wo "nichts Langfristiges" gilt und Institutionen permanent zerbrechen.


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