Befreiung eines Grüblers

Musik: Die Pop-Manifeste der Achtziger haben ausgedient, aber ihr einstiger Autor hat noch immer viel zu sagen: Nach elf Jahren Pause brachte Green Gartside alias Scritti Politti wieder ein Album zustande.

Robert Rotifer / London | Kultur | aus FALTER 30/99 vom 28.07.1999

Zugegeben: Die Meldung, daß so lange Zeit nach "Provisions" (1988) eine neue Platte des offenen Bandprojekts rund um Songwriter Green Gartside erscheinen sollte, sorgte zunächst für düstere Vorahnungen. Sollte da etwa wieder eine Ikone der Vergangenheit über ihre eigene Legende stolpern?

In den Achtzigern rotierten Scritti Polittis bis an den Rand der Glitschigkeit ausgeklügelte Konzept-Hits ("Wood Beez", "Faithless", "The Sweetest Girl", "The Word Girl") Seite an Seite mit ABC und Bananarama als fünfte Kolonne durch die triviale Videoshow des damals neugeschaffenen Sky Channel und infiltrierten den Mainstream mit verschlüsselten, subversiven Botschaften. Nur die Eingeweihten wußten, daß der Name Scritti Politti auf den Gesellschaftstheoretiker Antonio Gramsci anspielt, manche hatten gar mit Ehrfurcht Gartsides hyperintelligentes, in philosophische Höhen abgedriftetes Interview mit Diedrich Diedrichsen in der damals noch als Independentbibel geführten Zeitschrift Spex gelesen.

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