Stadtrand: Laut-stark

Stadtleben | aus FALTER 30/99 vom 28.07.1999

Sie müssen einem ja wirklich alles vermiesen. Endlich Temperaturen über Null, hin und wieder Regenlöcher von Sekundendauer, ergo Schanigarten. Und dann sitzen dort Menschen, die glauben, sie müssen, weil Open-air-Veranstaltung, auch ihre Anwesenheit in Open-air-adäquater Lautstärke abwickeln.

Die Ankunft: Eigenartig, daß sich Außentemperatur und Drehzahl direkt proportional zueinander verhalten. Als ob der Motor bei Schönwetter leichter absterben könnte. Daß der Fahrer sich in den meisten Fällen auf ein anderes Lokal zu- und am eigenen vorbeibewegt, ist dann schon kein Trost mehr.

Die Anwesenheit: Ja, ein Schanigarten befindet sich per definitionem im Freien. Trotzdem darf in Zimmerlautstärke weitergesprochen werden. Außer man will die Umsitzenden an den eigenen Erlebnissen teilhaben lassen. Was die Umsitzenden in den seltensten Fällen wollen.

Wenn es sich bei den öffentlichen Erzählungen dann noch dazu um Schwachsinniges handelt wie "Jetzt haben sie mir wegen Trunkenheit am Steuer den Führerschein abgenommen. Dabei wäre jetzt die ideale Zeit zum Cabriofahren", hat der Betreffende den Umsitzenden wenigstens ein bißchen Unterhaltung verschafft und sich selbst als Gehirnspender entlarvt. Dann ist es schon egal, daß er wie ein Fernsehmoderator aussieht. S. N.


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