VOR 20 JAHREN IM FALTER

É wurde das kulturelle Sommerloch bekrittelt. In Wien Verbliebene konnten sich auch damals im Touristenprogramm am Strauß-Hype delektieren.

Vorwort | aus FALTER 31/99 vom 04.08.1999

Ist man im August in Wien, ist man schon ein recht armes Schwein. Es hat vielleicht noch jemand geglaubt, Wien sei eine Musikstadt, und ist vielleicht auch deshalb hierhergekommen; aber er hätte nicht im August kommen sollen, da sieht es traurig aus.

Und das war schon immer so. Einmal gab es zwar eine Arena. Aber das war einmal und wird vergessen. Woran man aber jeden Sommer wieder erinnert wird, ist, daß es im Vorjahr auch "Die lustige Witwe" im Theater an der Wien gab, und auch schon im Jahr davor, und daß die Inszenierung doch auch damals schon, vor 15 Jahren, von Rolf Kutschera war und daß Hans Nast Klavier spielte. Er gibt wohl schon bald sein tausendstes Konzert und spielt noch immer nichts anderes als Chopin und Liszt. Dafür kann man sich jeden Samstag nachmittag zum einzigartig-originalen Wiener Konzertanten Schrammel-Quartett eine einzigartige Wiener Jause servieren lassen, die im bescheidenen Eintrittspreis von öS 150,- bereits inbegriffen ist. Dabei gibt's dort sicher auch noch die originale Wiener Gemütlichkeit umsonst zum Anschauen!

Im Arkadenhof des Rathauses spielen die Reste des Tonkünstlerorchesters, die im Sommer nicht auf Urlaub sind, Populäres von Mozart über Strauß (Johann und Joseph, versteht sich), bis zu Stravinskys "Feuervogel", wobei allerdings Bruckners "4. Symphonie" am 16.8. tatsächlich als "Modernes" aus dem Rahmen fällt.

Und im Schloß Schönbrunn kann man nach jeweils einstündigen Führungen durch den Glanz vergang'ner Zeiten beschauliche Stunden einer kleinen Nachtmusik widmen, sofern man dafür auch 80 Schilling berappt.

Ein bißchen Abwechslung bieten Kammermusikabende in diversen Palais. Man kann nur leider keinen mit Entschiedenheit empfehlen, weil das Programm des musikalischen Sommers keine ausreichende Information bietet. Das gleiche gilt für die freitagabendlichen Kirchenkonzerte in den schönen Kirchen der Inneren Stadt.


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