Standpunkt: Good guy, bad guy

Politik | aus FALTER 31/99 vom 04.08.1999

Njöööööö! Ohrenbetäubend heult die Sirene im War-room der SPÖ. "Schwarz-Blau-Alarm" schreit Andreas Rudas entsetzt durch die Gänge: "Bartenstein von rechts. Loß! Edlinger flottmachen!" So geht es, könnte man als Medienkonsument meinen, dieser Tage in den Parteizentralen zu. Familienminister Martin Bartenstein liebäugelt mit Schwarz-Blau. Aufschrei innerhalb der SPÖ. Wissenschaftsminister Caspar Einem kokettiert mit der Ampel. Empörung der ÖVP. Beinahe könnte man das Theater ernst nehmen, so leidenschaftlich malen die Parteizentralen die verschiedenen Koalitionsteufel an die Wand. Die Realität ist leider weniger spektakulär als das Emergency-Szenario. Das Good-Guy/Bad-Guy-Spiel gehört zum Repertoire jeder "Volks"-Partei. Beispiel SPÖ: Innenminister Karl Schlögl schließt die Ampelkoalition aus, nicht aber Rot-Blau. Ein paar Tage später sagt Parteikollege Einem genau das Gegenteil. Wenn die Roten Glück haben, registrieren die linken bzw. rechten Wähler nur das, was sie hören wollen, und kreuzen "SPÖ" an. Nach der Wahl werden die Sozialdemokraten trotzdem um die ÖVP werben. Dort gibt es zwar ernsthafte Befürworter einer Koalition mit Haider. Das ist beunruhigend. Letztlich wird die ÖVP aber Angst vor der eigenen Courage bekommen und sich ins gemachte Nest setzen. G.J.


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