Bedient: Der Dorffußballer

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 31/99 vom 04.08.1999

Letzte Woche entdeckten wir die Praxis der Fremdenbehörden, Ausländer aus dem Land zu jagen, knapp bevor es diesen gelungen ist, acht volle Jahre in Österreich verbracht zu haben. Nach dieser Achtjahresfrist gewährt das Gesetz den Fremden nämlich wichtige Rechte. Sie dürfen auf eine Beschäftigungsbewilligung hoffen und können nicht mehr abgeschoben werden. "Integration vor Neuzuwanderung" nennt das die Politik. Josef, so berichteten wir letzte Woche, wurde nach siebeneinhalb Jahren (Zufall!) aus dem Land geschmissen, weil er sich an das Arbeitsverbot hielt. Der Wiener Anwalt Wilfried Embacher hat nun einen neuen Fall aufgedeckt. Ein rumänischer Jugendlicher, wir nennen ihn Ion, lebt seit - erraten! - siebeneinhalb Jahren in Österreich bei seinen Eltern in einem burgenländischen Dorf. Er spielt dort in der Dorffußballmannschaft, ist mit dem Bürgermeister befreundet und hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Arbeiten konnte er nicht, weil er keine Beschäftigungsbewilligung hatte. Als Saisonarbeiter im Gurkenpflückgewerbe wollte er nicht arbeiten, weil er sich nicht ausnehmen lassen wollte. Sein Vater gewährte ihm Unterhalt. "Gefahr der öffentlichen Ruhe und Ordnung", schrieb die Sicherheitsdirektion dem Rumänen und wies ihn aus. Er habe, so die Behörde, zwar nichts verbrochen, stelle aber "infolge seiner Mittellosigkeit aus dem sicherheitspolizeilichen Interesse der Verhinderung von Straftaten" eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit dar. Im Klartext: Wer Geld hat, wird integriert, wer keines hat, von seinen Eltern aber unterstützt wird, muß seine Familie verlassen und nach Rumänien zurück. So funktioniert Integration.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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