Loudon Wainwright III: "The baby boomers are the bosses"

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 31/99 vom 04.08.1999

Er hätte so groß herauskommen können wie Dylan oder Springsteen, hätte er nicht so einen ausgeprägten Sinn für Humor", urteilte einst ein Kritiker. Das 17. Album "eines der größten Texter unserer Zeit" (Q) versammelt 15 Songs, die Wainwright in den letzten zehn Jahren im Auftrag von America's National Public Radio eingespielt hat. Was hierzulande gemeinhin dem "Kabarettismus" anheimfällt, die Kommentierung des Zeitgeschehens, erledigt der zweimal für den Grammy nominierte Singer/Songwriter gleichsam als Dienst nach Vorschrift - und mit überzeugenderem Resultat.

Obwohl Wainwright eigentlich am besten ist, wenn er mit Sarkasmus und Selbstironie über die eigenen Schmerzen und Wehwechen Auskunft gibt, sind auch auf "Social Studies" einige prächtige Songs versammelt. Das funky "Y2K" verleiht einer mehr als klammheimlichen Freude am bevorstehenden breakdown Ausdruck, "What Gives" nimmt das virtuelle Fortleben des Rock 'n' Roll aufs Korn, "Tonya's Twirls" ist eine traurig-bewegende "Rehabilitierung" des bösen Eislauf-Mädchens Tonya Harding ("she was your parents' worst nightmare / The slut who moved next door") und "Our Boy Bill" rechnet mit dem kollektiv akklamierten bösen Buben im Präsidenten ab, einem triefäugigen Clown, dessen ohnehin dauergerötetes Gesicht beim Joggen noch röter wird. Der mit Abstand beste Titel aber ist der "Inaugural Blues", mit dem Wainwright zu Lenny Picketts geriatrischer Klarinette der eigenen "Protest"-Generation einen sarkastischen Nachruf hinterhersingt: "The baby boomers are the bosses / Rock and Roll is here to stay / Fleetwood Mac got back together / In seperate limos on reunion day / We got Elvis and the Beatles / Protested war, now we've won / Bill's gone gray, Al's slightly balding / But we are forever young (É)".

Loudon Wainwright III: Social Studies (Hannibal/Lotus).


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