Lesen statt Leben

Literatur: Vor 100 Jahren, am 24. August 1899, wurde Jorge Luis Borges geboren. Eine Annäherung an den Weltdichter aus Buenos Aires, der sich politisch eher unkorrekt verhielt, mit den Frauen so seine Schwierigkeiten hatte - vor allem aber unsterbliche literarische Meisterwerke schuf.

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 32/99 vom 11.08.1999

Den lange ersehnten Nobelpreis für Literatur sollte er bis zuletzt nicht erhalten. Und das, obwohl Jorge Luis Borges der Schwedischen Akademie noch mit 79 Jahren angedroht hatte, nicht zu sterben, ehe sie ihn nicht zum Laureaten gemacht hätte. Letztlich konnte ihm diese Ehrung aber auch schon wieder egal sein: Als der argentinische Schriftsteller im Juni 1986 starb, war er der mit Abstand berühmteste Zeitgenosse, der die begehrte Auszeichnung nicht erhalten hatte.

An der literarischen Meisterschaft des legendären Autors vom Rio de la Plata gab es spätestens seit den Sechzigerjahren keine internationalen Zweifel mehr. Es waren seine unbedachten politischen Aussagen, die es verhinderten, dass er heute in einer Reihe mit Heinrich Böll oder Dario Fo steht - wo er ohnehin nicht hingepasst hätte. Obwohl er sich zeit seines Lebens gegen totalitäre Systeme aussprach, äußerte er doch auch immer wieder Vorbehalte gegen die Demokratie: Er schrieb, dass sie ein Missbrauch der Statistik sei.


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