Presseschau

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 32/99 vom 11.08.1999

In einer Zeit vor dieser war alles anders. In einer Zeit vor dieser war die Katastrophe in einem politischen Magazin stets eine politische Katastrophe. Ein Erdrutsch war ein politischer Erdrutsch, eine Beben ein politisches Beben, und von Lawinen wurden höchstens ranghohe Sprücheklopfer verschüttet. All das andere, alles was, heute eine Katastrophe ist, all das hatte in einem seriösen Magazin nichts verloren. Die Unbilden des Wetters und die Befindlichkeiten unserer Erdkruste waren Privatsachen und wurden von Heften bedient, die sich maximal noch mit Psychozeug befassten. Oder mit dem richtigen Zusammenbau von Komposthaufen, der Analyse von Ameisenstraßenverkehrsregeln und Enthüllungen über das Paarungsverhalten von Buckelwalen. Und die Besprechung von technischem Klumpert war einem Magazin vorbehalten, das nicht ohne tieferen Sinn Hobby hieß. Und auf Cover geklebtes Bastelzeug mit Naturkunde-Approach hieß Gimmick und war für Kinder. In einer Zeit, als es noch keine Handys gab und die Magazinwelt frei war von Handyverschenkaktionen. In einer Zeit, als Magazine noch gelesen wurden.


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