Kommentar: Wem gehört die Kunst?

VITUS H.WEH | Kultur | aus FALTER 32/99 vom 11.08.1999

Letzte Woche ging eine Meldung durch die Medien, die die Welt entsetzte: Es hieß, der Japaner Ryoei Saito, der 1990 für umgerechnet 1,1 Milliarden Schilling das "Porträt des Dr. Gachet" von Vincent van Gogh erworben hatte, hätte das Bild mit in sein Grab genommen. Welch Vorstellung: eines der berühmtesten Kunstwerke, eingeäschert in einem Sarg. Juristisch wäre das übrigens legal gewesen. Genauso legal wie die neueste Version, derzufolge das Bild nicht verbrannt, sondern mittlerweile in amerikanischem Privatbesitz sei und von niemandem gesehen werden dürfe.

Beide Szenarien werfen die Frage auf, wem Kunstwerke eigentlich "gehören". Den Künstlern, die sie erschaffen haben; jenen, die sie irgendwann käuflich erwerben; oder "der Menschheit" in Form von Historikern, von Liebhabern und nicht zuletzt der Tourismusindustrie? Relevant ist diese Frage auch für die Causa Adele Bloch-Bauer. Bekanntlich wird in letzter Zeit heftig darüber gestritten, ob eine ehemalige Schenkung von fünf

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