Pudelmützenalarm

Polizei Wie Favoritner Polizeibeamte und ein heldenhafter Fliesenleger einen 12-jährigen Buben wegen seiner Pudelmütze für einen Posträuber hielten, ihn fesselten und "fast erschossen" hätten. Florian Klenk

Politik | aus FALTER 32/99 vom 11.08.1999

Es gibt diese kleinen Fratzen, die ihr Cornettostanitzel am untersten Ende abbeißen und sich dann wundern, wenn ihnen das geschmolzene Eis auf die Hose tropft. Der kleine Thomas H. ist so einer. Ein Lauser, eine Pipn, ein Gfrast würden ihn die Wiener nennen. Zwölf Jahre alt, ein schelmisches Gesicht mit Sommersprossen und kleine vom Cornetto-Eis bekleckerte Finger. Seit einigen Wochen steht in den geheimen Aufzeichnungen von Polizei, Jugendamt und Jugendgerichtshof ein weiteres Attribut: "Verdacht auf Postraub".

Am 21. Juni, einem verregnet kühlen Tag, marschiert Thomas, wie jeden Abend gegen 18 Uhr, auf das Postamt in der Favoritner Buchengasse. Unter seinem Arm trägt der Bub einen Stapel Briefe. Anwaltspost seiner Mutter, die in einer großen Kanzlei arbeitet. Am Postamt kennt man den Buben. Am Kopf trägt er eine schwarze Pudelmütze. So eine, die man über das Gesicht rollen kann. Menschen, die oft "Aktenzeichen XY" schauen, könnten ihn so für einen Posträuber halten.

So geschah


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige