Bedient "Wir sind in Wien"

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 32/99 vom 11.08.1999

Nichts Lästigeres, als mitten in der Nacht eine Anzeige aufzunehmen. Um dies zu verhindern, gibt es einen Trick: Gängle den Anzeiger so lange, bis er nicht mehr will. Clement kommt aus Afrika und fährt Taxi. Nichtraucher-Taxi. Zwei Damen steigen ein. Und rauchen. "Nicht rauchen", bittet Clement. "Wir sind in Wien, da können wir machen, was wir wollen", entgegnen die Damen. "Wir sind zwar in Wien, aber in meinem Taxi", kontert der Taxifahrer und bleibt stehen. Er fordert die Damen auf, auszusteigen und 33 Schilling Taxe zu bezahlen. Er wird beschimpft. "Nigger", "Bimbo" und so. Der Taxler will sein Geld und behält die Handtasche der Frau. Er ruft per Funk die Polizei, den Freund und Helfer. Ein Streifenwagen erscheint. Der Afrikaner will Anzeige erstatten. Lästig. Mitten in der Nacht! Polizist: "Haben S' an Ausweis?" Taxler überreicht den Personalausweis. Polizist: "Adresse?" Taxler nennt Adresse. Polizist: "Wie lange leben Sie in Österreich?" Der Taxler wird ärgerlich: "Warum vernehmen Sie nicht die Frauen?" Polizist: "Ihre Fragen interessieren mich nicht! Verheiratet? Kinder?" Taxler: "Ja, zwei Kinder." Polizist: "Monatseinkommen?" Taxler: "Hängt vom Umsatz ab." Polizist: "Das is a Problem! Das müssen Sie genau wissen. Was arbeitet Ihre Frau?" Taxler: "Hausfrau." Polizist: "Woher kriegt sie ihr Geld?" Taxler: "Von mir." Polizist: "Name der Eltern?" Und so weiter. Schließlich der Polizist: "Wollen Sie wirklich Anzeige erstatten? Die Damen werden Sie auch anzeigen, weil Sie die Handtasche genommen haben!" Die Damen nicken. Mitte August hat der Taxler am Kommissariat zu erscheinen. Um 19 Uhr abends. Wenn er Taxischichtdienst hat.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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