Pariser Wespennest

Kommentar: Die Gaullisten im Skandalsumpf: Wie viel wusste Präsident Chirac?


Raimund Löw
Vorwort | aus FALTER 33/99 vom 18.08.1999

Laurent Davenas ist kein besonders mutiger Mann. Noch vor einem Jahr hat der Pariser Staatsanwalt die Idee von Strafverfahren gegen Mitglieder der gaullistischen Stadtverwaltung weit von sich gewiesen. Aber inzwischen hat sich ein derartiger Berg unübersehbarer Beweise angesammelt, dass dem obersten Ankläger des Pariser Stadtteils Evry nichts anderes übrig blieb, als knapp vor Urlaubsbeginn eine politische Bombe zu zünden: Staatsanwalt Davenas kündigte wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder die bevorstehende Anklageerhebung gegen die Ehefrau von Bürgermeister Jean Tiberi an.

Was auf den ersten Blick wie eine Petitesse aussieht, ist der Stich in ein Wespennest von Korruption und Manipulation, der das gesamte politische System Frankreichs ins Wanken bringen könnte. Nach dem Vereinigten Königreich Tony Blairs riskieren damit auch in einem zweiten Schlüsselland der EU die traditionellen bürgerlichen Eliten, auf Jahre ins politische Abseits gestoßen zu werden.

Denn Madame Tiberi ist

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