Schreiben, wie Astaire tanzt

Literatur: In Zukunft sollten Sie vielleicht doch wieder selber einkaufen gehen. Warum, erfahren Sie in Marie Darrieussecqs brillantem Roman "Gespenster sehen".

Kultur | Stefan Ender | aus FALTER 33/99 vom 18.08.1999

Zu Beginn ein kleines Memory-Spielchen. Rufen Sie bitte aus Ihrem mit Sicherheit gigantischen Fernsehbildergedächtnis eine dieser prototypischen Fred-Astaire-Szenen ab ... Sie sehen (stimmts?) Astaire und Ginger Rogers in einer schicken Dreißigerjahre-Manhattan-Penthouse-Suite, tanzend auf ihre unnachahmliche Art und Weise: leicht, schwebend und vor allem fließend; fünf schnelle Schritte zum Fenster, ein abrupter Stopp, halbe Drehung und zwei langsame Schritte nach links, noch ein zögernder nach rechts und dann im Sauseschritt zum Couchtisch.

Warum das Ganze? Es gibt eine 30-jährige Autorin aus Frankreich, sie heißt Marie Darrieussecq, und sie schreibt fast genau so, wie Fred Astaire tanzt: mit Eleganz und angenehmer Leichtigkeit und mit einem stupenden Feingefühl, was Sprachrhythmus und Erzählfluss anbelangt. Doch damit nicht genug: Sie versteht es zudem exzellent, fesselnde Spannungsbögen aufzubauen, und hat zu guter Letzt auch noch - immer angenehm - ein Händchen fürs Ironische.


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