Kinder, Kinder...

Seinesgleichen geschieht: Haider ist Plakatmeister. Schon wieder verändert er Österreich. Mit Popo, Pep und Proskription.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 34/99 vom 25.08.1999

Die Kindheit haben wir verloren; gleichzeitig greift die Infantilisierung um sich. Man kann es auch Amerikanisierung nennen, den grassierenden Frohsinn, den Abschied vom Argument, die Rückkehr zum freudig gegrunzten Ressentiment, zur fraglos akzeptierten Idiosynkrasie und zum ohne Messer und Gabel gemampften Essen. Sogar einen Milkshake gibts dazu. Mahlzeit!

Das Glück ist ein erfüllter Kinderwunsch. Alle sind kindisch, glücklich und polymorph pervers. Nein, halt. So weit wollen wir nicht gehen. Wir sind zwar kindisch, aber keine Kinderschänder. Wir sind auch nicht so verkrampft wie die Amerikaner, die ihren Kleinsten Badehosen anziehen, damit sie kein öffentliches Ärgernis erregen, und die besorgt das diesbezügliche europäische Laisser-faire zur Kenntnis nehmen; ins Familienalbum kommen ihnen solche Schweinereien, wie sie bei uns die Wahlplakate zieren, nicht.

Nein, Kinderschänder sind wir keine. Im Gegenteil. Wir lieben Kinder, und zuerst lieben wir, wie sichs gehört, die Mütter.


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