ER nicht als er

Jubiläum: Zu seinem 250. Geburtstag ist ER in aller Munde. Wolfram Siebeck spekuliert, welche Speise ihm wohl einen Vers wert gewesen wäre. Ein anderer Fachmann unterstellt IHM, homosexuell gewesen zu sein. Ein Vorschlag in aller Güte: Lassen wir IHN in Ruhe!

Kultur | Walter Schübler | aus FALTER 34/99 vom 25.08.1999

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion öffneten DDR-Wissenschaftler am 2. November 1970 SEINEN Sarkophag in der Weimarer Fürstengruft und karrten das, was von IHM noch übrig war, auf einem Handwagen ins Nationalmuseum. Nachdem sie das Gewebe vom Skelett abgelöst und verbrannt hatten, brachten sie das konservierte, 166,5 Zentimeter große Skelett wieder in die Weihestätte der deutschen Klassik zurück - nicht ohne den Lorbeerkranz auf SEINEM Haupte für die Ewigkeit tauglich chemisch präpariert zu haben.

Eine etwas verbissen anmutende materialistische Auffassung der Herauspräparierung der "unzerstörbaren Mitte" des Klassikers, zugegeben. Auf der anderen Seite wurde nur nachvollzogen, was 150 Jahren einschlägiger Philologie und Pädagogik längst gelungen war: Das Fleisch war von den Knochen.

Das hatte für alle immer schon seine Vorteile: Ungeniert konnte IHM jeder sein Licht aufstecken. Von den Nazis als Herold spartanischer körperlicher Ertüchtigung zur Stählung des Willens und als


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