Nüchtern betrachtet: Was hat der Postler vom Herbsthauch?

Kultur | aus FALTER 34/99 vom 25.08.1999

So gegen sechs Uhr muss es gewesen sein, als Italien mit dem Angriff auf Österreich begann: die ersten Granaten, Raketen, Bomben ... - was weiss ich, es ist mein erster Krieg. Kurze Zeit später muss ich zum zweiten Mal maturieren. Warum, weiß ich nicht, aber es kommt immer wieder vor. Der nächste Blick fällt kurz nach acht auf die Uhr. Eine mit guter herbstlicher Kühle angereicherte Zugluft streicht übers Bett. Genau dort, wo ich mich befinde, liegt ein Haufen prämortaler Biomüll, Gefäßwände, Leber, Hypothalamus und das ganze Zeug, laut Eigengewichtseinschätzungssensorium drei, vier Kilo zu viel. Haut ist auch dabei, die registriert die gute Herbstzugluft, während das Geräusch des Postkästchenaufschließens von den Wänden des Innenhofes zurückgeworfen wird und irgendein Sektor meines Gehirns, der fürs soziale Gewissen zuständig ist (beim nächsten Gehirn wird alles anders: Da nehm ich doch bloß die Standardausführung), nachfragt, was denn der fleißige Postbeamte vom


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