Stadtrand: Rücksicht?

Stadtleben | aus FALTER 34/99 vom 25.08.1999

Was genug ist, ist genug! Ab sofort werde ich Mist nicht mehr in sechs unterschiedlichen Behältern getrennt sammeln. Meine Biomüllsammlung macht mir nämlich keinen Spaß mehr. Wenn ich die Küche schon mit Milliarden von Fruchtfliegen teile, möchte ich schließlich dafür auch belohnt werden. Und nicht am Mistsammelplatz meinen welken Grünmüll in eine Tonne werfen, auf der zwar "Bio" steht, aber alles andere als "Bio" drinnen ist. Von nun an sind Obst- und Gemüseabfälle wieder Restmüll.

Lärmtechnisch werde ich auch keine Rücksicht mehr nehmen. Meine Nachbarn zum Hof tun das schließlich auch nicht. Wenn ich schon nicht mehr Altglas sortiere (wozu?), werde ich wenigstens bevorzugt nach 22 Uhr den Geschirrspüler ausräumen. Und zwar laut klappernd. Ich werde auch um Mitternacht noch Musik hören und mich bei offenem Fenster laut in den Schlaf lachen. Die von gegenüber haben das nämlich verdient. Wahrscheinlich werde ich es nicht übers Herz bringen, sonntags um fünf Uhr früh aufzustehen, nur um Ö1 zu hören. Aber ich freue mich schon auf meinen Urlaub. Bevor ich die Wohnung verlasse, werde ich nämlich den Wecker auf Viertel nach fünf stellen und ihn am offenen Fenster platzieren. Damit meine Nachbarn auch immer pünktlich an mich denken. Zweimal am Tag. C. W.


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