Weg allen Fleisches

Faulleichen: Ein- bis zweimal pro Jahr ist die Stadt entsetzt über Tote, die monatelang unbemerkt in ihren Wohnungen liegen. Tatsächlich gibt es viel mehr sogenannte Faulleichen. Im Durchschnitt sechs pro Monat.

Stadtleben | Sigrid Neudecker | aus FALTER 34/99 vom 25.08.1999

Jetzt, nach der Urlaubssaison, wirds wieder losgehen. "Da kommen die Leute heim und finden die Oma tot in der Wohnung." Die Oma kann dann so zwei bis drei Wochen dort gelegen sein. Bei den sommerlichen Temperaturen hat der natürliche Zerfall der Oma bereits deutliche Spuren hinterlassen. "Zuerst werden sie rot, dann grün und dann schwarz", sagt Andreas Flaschner. "Wenn die Fäulnis schon sehr weit fortgeschritten ist, kann die Haut aufplatzen und die Leichenflüssigkeit austreten." Dann ist die Oma eine Faulleiche. Eine von rund 50 im Jahr. Tendenz leicht steigend. Und dann wird das Team von Andreas Flaschner ausrücken und alles aus der Wohnung entfernen, was mit der Fäulnisflüssigkeit in Kontakt gekommen ist. Wohnungsentwesung heißt das. Und die Nachbarn werden herumstehen und fragen, wieso die Leute von der Desinfektionsanstalt nicht schon früher gekommen sind. Um zwei Uhr nachts, zum Beispiel. Als der Herr Nettich aus dem zweiten Stock auf die Idee gekommen ist, dass dieser eigenartige


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