Weg allen Fleisches/Reportage: "Tot sind die?"

Stadtleben | Adelheid Wölfl | aus FALTER 34/99 vom 25.08.1999

Man hätte es am Fußabstreifer merken müssen", meint der junge Bosnier aus dem ersten Stock. "Wenn die Hausmeisterin die Gänge kehrt, stellt sie den Fußabstreifer aufrecht an die Wohnungstür." Das Stiegenhaus der Treustraße 59/5 ist sauber. Warmer, scharfer Geruch steht in der Luft. Im vierten Stock entwesen Beamte eine Wohnung. Die Tür zum Bad ist halb offen. Die Handtücher sind seit Monaten unbenützt und dennoch feucht. Die Verwesung hat alles angegriffen. Am Wohnzimmerboden vor der mintfarbenen, fleckigen Couch liegen schwarze, wollartige Knäuel. An der Wand hängen kleine vergilbte Bilder. Die modrige Feuchtigkeit hat im vergangenen halben Jahr Möbel, Textilien und Wände zu zersetzen begonnen. Überall sitzen Maden und Fliegen.

Das Ehepaar B. wurde im Sommer 1998 in der Treustraße tot aufgefunden. Die Leichen ruhten aufeinander. Fast so, als wäre sie auf ihn gefallen und er hätte nicht mehr die Kraft gehabt sich aufzurichten. Das Pensionistenpaar lag bereits seit einem


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