Die Volksfeinde

Kindesmissbrauch "Unmenschen", "chemische Kastration", "lebenslang". Österreichs Politiker grübeln über Sanktionen gegen Kinderschänder zum Missfallen der Experten.

Politik | Adelheid Wölfl | aus FALTER 35/99 vom 01.09.1999

Endlich haben die Mädels ihren Auftritt. Unter Blitzlichtgewitter werden sie vorgeschoben. Von den FP-Wahlstrategen haben sie Taferln in die Hand gedrückt bekommen: "Warum nimmst du mich vor Kinderschändern nicht besser in Schutz, Herr Bundeskanzler?", steht dort geschrieben. Ob die Kinderwahlkampfhelfer überhaupt schon lesen können, ist Nebensache. Jörg Haider grinst zufrieden.

Fast jede Woche wird ein neuer Fall von sexuellem Kindesmissbrauch bekannt. Hausmeister, Pater und Stiefväter befriedigen sich an Kindern oder an Kinderpornos. Erboste Reaktionen bleiben nicht aus: "Kein Pardon für Kinderschänder!", rief Familienminister Martin Bartenstein. "Chemische Kastration!", schreit ÖVP-Justizsprecherin Maria Fekter. FPÖ-Kultursprecher Michael Krüger forderte gar eine "öffentliche Bekanntmachung solcher Unmenschen". Wer hier noch an Resozialisierung glaube, sei "hochgradig naiv". Zumindest einer setzte bereits Taten: Vergangene Woche versprach Bundespräsident Thomas Klestil Missbrauchstäter


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