Alice hinter den Spiegeln

Film Stanley Kubricks "Eyes Wide Shut" hält sich überraschend genau an Arthur Schnitzlers "Traumnovelle", ohne in "literarischer" Geschwätzigkeit zu versinken.


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 35/99 vom 01.09.1999

Fuck." An sich keine schlechte Pointe, wenn auch kaum geplant: Am Ende des filmischen Gesamtwerks von Stanley Kubrick steht ein four letter word. Aber worin liegt die Pointe für den Film, wenn Alice Harford (Nicole Kidman) ihren Gatten Bill (Tom Cruise) nach einer ganz offensichtlich mit tränentreibenden Geständnissen durchwachten Nacht daran erinnert, dass sie möglichst bald (wieder) vögeln sollten? Eine Pointe im Übrigen, die ein erstaunlich vorlagengetreuer Film dem wortwörtlich übernommenen Schlussdialog hinterherreicht. Irgendwie kommt einem dieses "fuck" ein bisschen einfach vor - so, als versuchte Alice, die bei Schnitzler Albertine heißt, die wechselweisen Konfessionen gerade mal dazu zu nutzen, die eheliche Erotik etwas aufzupeppen.

Freilich weiß gerade Alice/Albertine, dass nichts "für immer" ist, also auch das Erwachen nicht. "That word frightens me", sagt Alice, wenn Bill im Film jenes "forever" ausspricht, zu dem Fridolin in der "Traumnovelle" nicht kommt, weil Albertine

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