Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 36/99 vom 08.09.1999

wurde den Lesern und Leserinnen eindringlich geraten, die Ausstellung "Monte Verita / Ascona" im Museum des 20. Jahrhunderts, zusammengestellt von Harald Szeemann, auf keinen Fall zu versäumen.

Die Monte-Verita-Ausstellung gilt den Künstlern, Denkern und Träumern, Sozialutopisten, Anarchisten, Vegetariern, Theosophen und Anthroposophen, die dieser Berg magisch angezogen hatte. Die Ausstellung, zu der eine umfangreiche Publikation erschienen ist, wurde in dreijähriger Arbeit durch Harald Szeemann zusammengetragen.

Das Anliegen der "idealen Gesellschaft" und die Umsetzung dieses Anliegens in die Realität beschäftigte die wechselnden Bewohner des Monte Verita, beschäftigt auch uns, wir stehen da weit mehr in einer Tradition, als uns bewusst ist. Zu sehen, wie die Ansätze immer wieder versanden, macht nicht gerade mutig, trotzdem: diese Ausstellung nicht zu sehen ist ein Versäumnis! In Ascona wurden Utopien erprobt, als Antwort auf Zeitprobleme, Ideengut wurde kreiert und ausgetauscht, das uns auch heute noch beschäftigt, Schulen gegründet, Modelle gesetzt.

Herrschaftslosigkeit als Gesellschaftsmodell, Kommunen als Gemeinschaftsmodell, Erneuerungsbewegungen, welche versuchen, über ein besseres Individuum eine bessere Menschheit heranzuziehen, Wohnreform, Kleiderreform, Frauenbefreiung etc., verbunden mit einer Unzahl bekannter Namen, wer hat nicht aller hier kurze oder lange Zeit gelebt, seine Ideen eingebracht: Michail Bakunin, Erich Mühsam und Ida Hofmann, der Psychiater Otto Gross, C. G. Jung, dann die Dadaisten Ball, Arp, Richter, später Bauhaus-Leute wie Bayer, Breuer, Gropius; Dichter wie James Joyce, Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler weilten dort.


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