Standpunkt: Die Sika-Files

Politik | aus FALTER 36/99 vom 08.09.1999

Es gibt Wortmeldungen, die werden einfach hingenommen. Ohne näher hinterfragt zu werden. Da geht ein einfacher Beamter in Pension, der einmal vor elf Jahren Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit geworden ist. Aber noch vor seinem Abgang in die Pension läßt er via Format-Interview wissen, dass er Dinge weiß über die Politik in diesem Land, die seine Bürger nicht wissen dürfen und die er daher "mit ins Grab nehmen" werde. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: a) Michael Sika weiß von Vorfällen, die er nicht beweisen kann oder b) Michael Sika weiß von Vorfällen, die er beweisen kann und nicht preisgibt. Ersteres ist eine Zumutung, zumal Sika politische und beamtete Korruption unterstellt, ohne den Nachweis erbringen zu können. In diesem Fall hat er dazu nur eines zu sagen, nämlich gar nichts. Nicht einmal andeutungsweise. Über die Variante b), Beweise ohne Preisgabe, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter spekulieren, denn eine solche Vorgangsweise wäre schlicht strafbar. Bleibt nur mehr eine Frage: Was bezweckt Michael Sika mit dieser Äußerung? Zur Beruhigung der Öffentlichkeit wird sie wohl nicht beitragen. Seine Files, wenn es welche gibt, würden das schon eher. Also: Her mit den Sika-Files! Den Menschen ist die Wahrheit zuzumuten. Beamte wie Michael Sika sind es nicht. P.V.


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