Bedient: Polizeikontrolle?

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 36/99 vom 08.09.1999

Stuart B., ein britischer Lehrer, fährt auf der Autobahn. Er sollte in Linz unterrichten und ist zu spät dran und zu schnell unterwegs. Hinter ihm fährt ein roter Golf und blendet auf. Der Lehrer bleibt stehen. Drei Männer steigen aus dem Golf und verlangen die Ausweispapiere. Der britische Lehrer, der kein Deutsch spricht, kennt sich nicht aus: "Mir war nicht klar, dass es sich bei den drei Männern um Polizisten handelt, ich dachte, die wollen mich überfallen." Mag sein. Er weigert sich, den Ausweis herzugeben, und bittet die Männer um ein Strafmandat, dass er später einlösen will. Das macht den Lehrer verdächtig. Die Beamten wollen das Auto durchsuchen. Der Lehrer stellt sich vor die Autotür und drängt den Beamten weg. Mehr hats nicht gebraucht: "Der Beamte hat mich auf den Boden geworfen und wie einen Schwerverbrecher behandelt." Der Brite wird gewürgt, seine Arme werden nach hinten gebogen, Handschellen angelegt. "Als ich gefesselt war, hat mich ein Beamter getreten." Der Lehrer kommt auf die Wachstube. Dort nimmt man ihm Fingerabdrücke ab, fotografiert ihn für die Verbrecherkartei. Fotos zeigen blutunterlaufene Handgelenke und Hämatome am Brustkorb. Der Brite erstattet Anzeige wegen Körperverletzung. Die Beamten erstatten Anzeige wegen schwerer Körperverletzung. Der Lehrer hätte gebissen und zugeschlagen (das Verfahren wurde eingestellt). Nach drei Tagen ist die Sache klar: "Die Staatsanwaltschaft hat die Anzeige geprüft und keine genügenden Gründe gefunden, gegen die Beamten ein Strafverfahren zu veranlassen." Kein Verfahren. Ein Einzelfall eben. Wieder einmal.

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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