Mein kleiner Liebling/Daniel Glattauer: "Herausforderung Schleierschwanz"

Medien | aus FALTER 36/99 vom 08.09.1999

Standard-Autor Daniel Glattauers Beschäftigung mit dem Thema Hund erschöpfte sich in einem Nachruf auf einen Irish-Setter namens Prinz. Bislang konnte er es sich verkneifen, sich in die lange Reihe der Hundekolumnisten einzureihen.

Warum sind Sie so spät auf den Hund gekommen?

Als Prinz plötzlich rotbraun und überlebensgroß vor mir stand, begann meine siebenjährige "Der-hat-mir-gerade-noch-gefehlt"-Phase. Als er tot war, hat er mir wirklich gefehlt. Niemand war ja annähernd so blöd und auch so lieb. Das hab ich schreiben müssen. Das war ich ihm schuldig. Prinz war aber auch nicht irgendein Hund, wenn Sie verstehen.

Haben Journalisten eine besondere Beziehung zu ihren Hunden?

Journalisten haben immer besondere Beziehungen zu jedem und allem. Beide sind Bluthunde, Wachhunde, Jagdhunde und Schoßhündchen (auf Politikerschößen zum Beispiel).

Warum schreiben Journalisten über ihre Hunde?

Weil Journalisten gern über sich schreiben und weil Hunde nichts dagegen haben, ihren Namen dafür herzugeben. Offensichtlich gibt es einen Trend, dass sie sich eigens dafür Hunde anschaffen. Meistens sind sie dann auch sehr gut zu ihnen, sonst gehen sie ein, und dann können die Journalisten nicht mehr viel über sie schreiben.

Ich bin eigentlich kein großer Fan von Hundegeschichten. Ich ertappe mich dabei, sie gar nicht mehr zu lesen. Viel spannender fände ich eine Kolumne über einen Schleierschwanz. Mit welchen verschwommenen Augen er die Welt sieht. Das wäre eine Herausforderung. Vielleicht werde ich mir einen Schleierschwanz kaufen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige