Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 36/99 vom 08.09.1999

Einst glaubten wir, wachsen zu können." Djamila Sahraoui erinnert in "La moitie du ciel d'Allah / Die Hälfte von Gottes Himmel" (1995) an den aktiven Beitrag algerischer Frauen im Befreiungskrieg gegen die Franzosen. Die Dokumentation zeichnet in persönlichen Erinnerungen, Gesprächen und mit Archivmaterial die Entwicklung der gesellschaftlichen Rolle der Frauen vor diesem Ausgangspunkt und Hintergrund als eine fortwährende Entmachtung nach. Zu Wort kommen einstige Aktivistinnen und solche, die es geblieben sind und sich heute zum Beispiel gegen die Auswirkungen des Familienkodex engagieren. Bilder, die fremde Geschichte, fremden Alltag erzählen: Die Palästinenserin Mai Masri hat ihr Filmstudium in San Francisco absolviert. Ihre Videodokumentationen führen nach Beirut ("Suspended Dreams", 1992) und dort ins Lager von Shatila, wo die Kinder, die dort leben, im Verlauf des Projekts einen Teil der Bilderproduktion übernahmen ("Les enfants du Shatila", 1998).

Unter dem Titel "Unsterbliche Scheherazade" versammelt sich Frauenkino aus Tunesien, Ägypten, Algerien, Marokko, Libanon, Palästina und Irak. Seit den Sechzigerjahren konnten Frauen in diesen Ländern allmählich auch als Regisseurinnen Fuß fassen, international fanden ihre Arbeiten nur punktuell Beachtung. Neben Dokumentationen sind auch Spielfilme aus den Jahren 1976 bis 1999 zu sehen, wie der hierzulande wohl bekannteste Beitrag des Festivals, "Das Schweigen des Palastes" (1994), das Spielfilmdebüt der Tunesierin Moufida Tlatli, die zuvor lange als Cutterin an den Filmen anderer mitgewirkt hatte. Die Filmschau findet vom 8. bis 16. September im Filmhaus Stöbergasse statt. Es werden über 40 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme gezeigt. Vier der Regisseurinnen werden außerdem anlässlich des Festivals in Wien zu Gast sein.


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